Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Burnout und Depression Teil 2

Alle Bilder aus Wikipedia, Prof. Rosemeier aus der FUB

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Burnout und Depression. Teil 2

 

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Zum Teil1 der PTBS, Burnout, Depression

 

Zum Teil 3 der PTBS, Dpression, Burnout

 

Im ersten Teil haben wir überwiegend über die Depression berichtet mit dem Hinweis, dass wir die Diagnosen PTBS und Burnout nicht als eigenständige Krankheiten betrachten wollen sondern als Teile einer depressiven Erkrankung. Das mag unwichtig erscheinen, das ist es aber nicht, da das Verstehen der Erkrankungen wichtig ist für die Therapie und allen weiteren Konsequenzen.

 

Beschäftigen wir uns zuerst mit der PTBS. Wie der Name der Posttraumatischen Belastungsstörung vermuten lässt, erlebt der Patient ein Trauma (griechisch Trauma auf Deutsch Verletzung, körperlich wie auch seelisch), gemeint sind hier schwerwiegende Erlebnisse wie im Krieg, Katastrophen wie Eschede (Zugunglück) und auch Enschede (Explosion einer Fabrik), Loveparade in Duisburg mit Massenpanik, und als Reaktion auf diese Erlebnisse eine länger andauernde psychische Reaktion, die die Lebensqualität massiv beeinträchtigt.

 

Wir alle können uns solche Reaktionen des Geistes auf katastrophale Erlebnisse vorstellen, in der Literatur wird auch sehr viel beschrieben, aber in den Lehrbüchern insgesamt viel Widersprüchliches.

 

Kommen wir zu meinen Erfahrungen mit Patienten mit einer PTBS. Die PTBS ist leider sehr häufig, insbesondere deshalb zu bedauern, da viel Leid absichtlich von Menschen bei anderen Menschen oder anderen Lebewesen verursacht wird und deshalb vermeidbar wäre. Ich selbst kannte als Heranwachsender viele Zeitzeugen des 2. Weltkrieges, später als Arzt hatte ich Kontakt zu israelischen ehemaligen Soldaten, französische Fremdenlegion sowie andere, die ich aus politischen Gründen nicht benennen möchte.

 

In einigen Studien wird angegeben, dass 20% der Soldaten unter einer PTBS leiden, meine Erfahrung besagt 100% bei denen mit Kampferfahrung. Um dieses zu erfahren, ist ein zwangloses Gespräch mit den Betroffenen hilfreich, damit sie sich überhaupt öffnen und davon berichten oder gar ihre Symptome zeigen. Letzteres kann unangenehm sein. Ein typisches Symptom der PTBS ist allerdings eine Verdrängung der Ereignisse, so dass die Betroffenen nicht gerne darüber berichten. Es sei denn, sie öffnen sich und wollen sich alles von der Seele reden.

 

Ein weiteres Symptom sind aggressive Impulsdurchbrüche bereits nach banalen Ereignissen oder aber für den Dritten ohne jeden ersichtlichen Grund. Z.B. Anfassen des Patienten am Arm, falsche Wortwahl, Alkohol etc.

Diese Impulsdurchbrüche können sich in plötzlicher körperlicher Gewalt äußern oder Beschimpfungstiraden. Erfahrungsgemäß ist dies dem Patienten, wenn denn seine Wut abflaut, sehr peinlich und er geht weg.

 

Konzentrationsstörungen werden oft genannt. Ebenso ein starkes Erschöpfungssyndrom, soll heißen, der Betroffene kann gewohnte Arbeiten wie früher gut verrichten, ist aber bereits nach kurzer Zeit erschöpft.

Erhöhte Schreckhaftigkeit tritt ebenso regelmäßig auf, diese kann auch zu Gewaltexzessen führen. So habe ich selbst einem ehemaligen Fremdenlegionär einmal von hinten am Arm gezupft, um ihn auf eine Gefahr des Gehweges aufmerksam zu machen, nachdem er auf Zurufen nicht reagiert hat. Er wollte sich mir wie in einer Kriegshandlung entledigen, durch einen reflexartigen Sprung konnte ich mich in Sicherheit bringen. Hilfreich war auch, dass er den Sinn meiner Warnung spüren musste, er ist durch das Loch der Brücke gefallen und landete im Wasser.

 

Alle Betroffene berichten über Einschlafstörungen, oft gehen sie erst so spät wie möglich in´s Bett, am besten bei völliger Erschöpfung oder alkoholisiert, regelmäßig wachen sie schweißgebadet mit den Bildern des Grauens auf. Dieses Symptom ist oft das erste, worüber berichtet wird und es scheint über viele Jahre anzuhalten.

 

Die Betroffenen wissen, dass sie bei den meisten Mitmenschen Abscheu hervorrufen mit ihren Schilderungen und reden nicht offen darüber. Haben sie Vertrauen zu jemandem und spüren, dass der Gesprächspartner nicht abgeschreckt wird, erleichtern sie gerne ihr Gewissen durch langanhaltende Gespräche.

 

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

 

Diese Frage nach den Therapien wird unterschiedlich beantwortet, auch abhängig von der Profession und dem Erfahrungswert des Therapeuten. Ein Psychologe wird wahrscheinlich seine eigene Psychotherapie empfehlen, mehr hat er auch nicht zur Hand. Das hört sich herabwürdigend an, ist aber zutreffend realistisch beschrieben. Ich hatte als Krankenhausarzt und niedergelassener Arzt oft und teilweise intensiv mit Psychologen zu tun und überlegte gerade, ob ich einen kennen würde, der als gut bezeichnet werden kann. Mein erster Kontakt zu den Psychologen war auch schon der beste, der Mann war brilliant und auffallend ehrlich. Es handelt sich um Professor Hans-Peter Rosemeier (1944 – 2006, in Gedenken an Ihre Brillianz, danke) der FU Berlin. Er hat seine Vorlesungen mit wissbegierigen Studenten gefüllt, er betonte, dass nicht nur das Wissen vermittelt werden soll, er würde auch gerne eine Show gestalten, um uns wachzurütteln. Er würde das Berliner Nachtleben auch kennen.

 

Akademisch formuliert hat er eine engagierte Vorlesung gehalten. Allgemein verständlich formuliert, war er der Meinung, dass Humor beim Lernen hilft und hat uns zum Lachen gebracht. Morgens! Daneben viel psychologisches Wissen vermittelt und auch seine Einschätzung seiner Kollegen. Die kamen gar nicht gut weg, nach selbst gesammelten Erfahrungen kann ich Prof. Rosemeier nur bestätigen. In einer Vorlesung sagte er einmal ketzerisch, dass viele Männer Psychologie studieren würden, um zu lernen, wie man die Frauen besser erreichen kann.

 

Der Psychologe hat zur Behandlung einer PTBS unterschiedliche Werkzeuge zur Hand, subsummierend eine Psychotherapie. Sei es die alte Therapie nach Freud, sei es die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT). Die Aufgabe des Behandlers ist, eine Balance zu finden zwischen Strategien des Verstehens und Wertschätzens eines Problems und dessen Veränderung. Diese „dialektische Strategie“ (Linehan, 1996) bildet die Grundlage für die Bezeichnung Dialektisch-Behaviorale Therapie. Im Sinne der DBT betrachtet Dialektik scheinbare Gegensätze in der Welt des Patienten, um sie aufzulösen und schrittweise zu integrieren. (aus Wikipedia).

 

Die DBT habe ich mit Freude erwähnt, damit jeder sieht, was die Psychologen so manches Mal aushecken.

Ich selbst kenne 3 psychologische Verfahren, die ich als sinnvoll betrachte, einmal die körperorientierte Psychotherapie nach Wilhelm Reich, die Modifikation nach Adler und die NLP (Neurologisch linguistische Programmierung). Die Therapien nach Reich und Adler sind bis vor kurzem in Deutschland nicht angeboten worden, die NLP schon.

 

Medikamentös werden Antidepressiva angeboten.

 

Nach dem Zugunglück in Eschede wurde eine Studie veröffentlicht, die derzeit für mich nicht auffindbar ist, die besagte, dass die Patienten mit einer Psychotherapie stärker unter ihren Symptomen litten als die ohne Therapie. Gemeint war hier ausschließlich die Gesprächstherapie. Meine Erklärung zu diesem Umstand ist, dass das wiederholte Berichten über die schrecklichen Ereignisse diese im Geiste verschlimmert und nicht bessert.

Ich persönlich spekuliere über den Sinn einer Therapie, auch durchaus medikamentös gestützt, die das Verdrängen und Vergessen erleichtert.

 

Die Präventivmedizin beschäftigt sich mit der Vermeidung krankheitsauslösender Faktoren. Katastrophen sind meist ungewollt und nicht immer zu vermeiden, vielleicht sollten wir Menschen einfach mal nicht zum Krieg hingehen.

 

Der dritte Teil über das Burnoutsyndrom kommt demnächst.

 

Schlagwörter PTBS posttraumatisches Belastungssyndrom Antidepressiva NLP Psychotherapie DBT Dialektisch Behaviorale Therapie Burnout Depression Mavera Maveracream

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Manu (Samstag, 14 April 2012 05:24)

    Hier ein Link zu einer Seite der Berliner Charité mit Nachrufen von Studenten. Die Besten gehen immer zu früh.
    http://forum.fsi-charite.de/viewtopic.php?p=13744&highlight=

  • #2

    Michael Klaus (Freitag, 18 Mai 2012 04:40)

    Anbei ein Link zu einer wissenschaftlichen Veröffentlichung zu einem Zusammenhang der PTBS und des Gedächtnisses. Kurz: je besser das Gedächtnis, um so besser die Erinnerung an das traumatische Erlebnis, um so mehr PTBS! Sehenswert sind auch die älteren Kommentare, nicht von Ärzten!, die mal wieder besserwisserisch Unsinn verzapfen: http://news.doccheck.com/de/article/209262-die-kehrseite-des-guten-gedaechtnisses/?utm_source=DC-Newsletter&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=Newsletter-DE-Arzt%20%285x%2FWoche%29-2012-05-16&mailing=40222&dc_user_id=1cb4ebd67029c4317a7f324bef1c5407&cide=dce105374&t1=1337188325&t2=bf7b2d75cf37b84719bfbc95a093baa82e90741b

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